· 

Brainstorming, oder warum ich mir die Pferde "auf die Couch lege"

 

Die Wahrnehmung bestimmt, wie wir etwas "wahr" nehmen. Wie wir etwas empfinden, wird augenblicklich zu unserer Wahrheit.

 

Was passiert, wenn uns unsere Wahrheit von jemandem abgesprochen wird, der meint, er wüsste es besser? Wie würden wir uns fühlen, wenn unsere Sicht der Dinge schlichtweg nicht einmal in Betracht gezogen wird? So oder so ähnlich geht es vielen meiner Klienten, bevor sie zu mir "auf die Couch" kommen. Die Psyche, das Empfinden, die Wahrheit dieses Pferdes interessiert mich nicht nur, sie bestimmt auch, wie die Ausbildung aufgebaut wird.

 

Immer öfter werde ich zu Pferden gerufen, die "nicht (mehr) wollen", die sich entweder enorm stressen, Ängste entwickelt haben, ihre Reiter nicht mehr im Sattel dulden wollen oder auch ganz einfach keine Ja-Sager sind. Muss sich also das Pferd verändern? Muss ich es "korrigieren" und ihm zeigen, wie es die Dinge wahrnehmen soll?

 

Wenn Sie erwarten, dass ich Ihr Pferd "korrigiere" und Sie sich ausruhen können, muss ich Sie leider enttäuschen. Ich korrigiere nicht das Pferd, ich passe die Arbeit am und mit dem Pferd den Gegebenheiten an. Der Mensch hat die Gabe, dass er bewusst nachdenken kann. Er kann lösungsorientiert analysieren, er kann einfühlend agieren und dem Pferd im Training seine individuellen Bedürfnisse erfüllen.

 

Ein Mitarbeiter will geschätzt werden, er möchte sich wohlfühlen und sich gut aufgehoben wissen. Wer Fehler macht, lernt sich selbst kennen und spüren. Wer keine Fehler machen darf, kann sich nicht entwickeln. Ich möchte dem Pferd eine Entwicklung ermöglichen. Geistig wie auch körperlich. Es soll ein starker Charakter mit höflichen Eigenschaften werden, jemand der nachdenkt, der keine Angst hat, sich auszuprobieren. Der seine Gefühle zeigen darf und gehört wird. Dessen Inneres gesehen wird, der strahlt und glänzt und sich wohlfühlt in seiner Haut.

 

Das Pferd kann immer nur so gut sein, wie der Mensch, der mit ihm arbeitet und Zeit verbringt. Wertschätzung, Höflichkeit aber auch Disziplin, Konsequenz und Geduld zeichnen das Miteinander aus. MITEINANDER - das beinhaltet genauso Diskussionen, Brainstormings (Ja, Sie hören richtig, ich binde das Pferd aktiv in die Entscheidungen, die seine Ausbildung betreffen, mit ein!) und auch ein Verwerfen von Möglichkeiten, wenn Sie einfach für dieses Pferd nicht funktionieren.

 

Sie als Besitzer dieses Pferdes werden andere Perspektiven kennen lernen. Jemand, der anders fühlt, anders wahrnimmt, ist eine Bereicherung und kein Hindernis. Sie können nur davon profitieren, wenn Sie Ihrem Pferd eine Meinung zugestehen und diese auch immer ernst nehmen.

 

Wenn Sie nun vielleicht denken: "Ja kann sein, aber Leistung bekomme ich so sicher keine von meinem Pferd." Da irren Sie sich aber gewaltig. Pferde die gehört und gesehen werden, entwickeln ein Können, das oft weit über ihre körperlichen Grenzen hinaus geht. Nicht das Pferd ist schuld - der Mensch hat einfach noch nicht genügend Erfahrung, Wissen und Einfühlungsvermögen für dieses Pferd. Aber denken ist nicht verboten, mitfühlen auch nicht! Lassen Sie sich etwas beibringen - von Ihrem Pferd! Ich mache das tagtäglich viele Male und es zahlt sich immer aus!

 

Wer kann mir besser und glaubwürdiger erzählen, wie seine Welt funktioniert, wie das Pferd selbst?